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"Gönnersdorf - ein Ortsteil von Neuwied-Feldkirchen

Ein geschichtlicher Überblick."

Gönnersdorf - ein Ortsteil von Neuwied-Feldkirchen. Der Ort war schon früh besiedelt. 1906 wurde ein fränkisches Gräberfeld in den Fluren "In den Gräbern", "Auf dem Kocheberg" und 1968 ein Eiszeitjägerlager entdeckt, das aus der Zeit um 1200 stammte. Die Fundstätte der 1968 begonnenen Ausgrabung wurde beim Ausheben einer Baugrube entdeckt. Die Fundschicht lag etwa 20 bis 40 cm unter der Bimsschicht des Laacher Vulkan-Ausbruchs unmittelbar im fahlgelben Löss der letzten Kaltzeit. Bei den archäologischen Untersuchungen konnten Reste von 4 Hütten mit einem Durchmesser von etwa 6 bis 10 m und zwei Zeltgrundrisse festgestellt werden. Neben Werkzeugen aus Feuerstein wurden auch solche aus Mammutelfenbein gefunden, ebenso Geschossspitzen.

Überregional bedeutsam sind die gefundenen Kleinobjekte, etwa aus Bein geschnitzte Venusstatuetten und besonders die zahlreichen Gravierungen auf Schieferplatten, die teils figürliche und ornamentale Frauendarstellungen wiedergeben. Besonders bemerkenswert sind aber auch sehr naturgetreue Tierdarstellungen, vorwiegend von Pferden, ferner von Mammut, nashorn, Wolf und verschiedenen Vogelarten. Die Gönnersdorfer Funde bilden einen wesentlichen Beitrag zur Dokumentation der künstlerischen Ausdrucksfähigkeit des Altsteinzeitmenschen in Mitteleuropa. Ausgestellt werden diese Fundstücke im Museum für die Archäologie des Eiszeitalters im Schloss Monrepos.

Der Dorfname Gönnersdorf kommt in verschiedenen Versionen im Lauf der Jahrhunderte vor: Ginnesdorf, Gundeerstorf, Gyndersdorf, Göndersdorf und schließlich Gönnersdorf. Zu den herrschaftlichen Höfen von Gönnersdorf gehörte auch der sogenannte "Beunehof", an der Ecke Feldkircher Straße / An der Linde gelegen. Heutzutage sind von der ehedem burgähnlichen Anlage nur noch Reste vorhanden (fachwerkverziertes Wohnhaus). Durch seinen heutigen Eigentümer, den Holzschnitzer und Schreinermeister Alfred Litz jedoch aufwendig renoviert. Als Kulturdenkmal geschützt und in seiner Gesamtdarstellung ein sehenswertes Schmuckstück.
Um 1830 gehörte der Beunehof einer Familie Schneider. Zu einem noch nicht genau feststellbarem Zeitpunkt ging das Eigentum am Beunehof an eine Familie Blum oder Seuser. Um 1900 an den am 04.08.1871 geborenen Johann Ehlscheid. 1948/1949 an die Erbengemeinschaft Alfred Ehlscheid, Wilhelm Ehlscheid und Elisabeth Litz geb. Ehlscheid. 1955-1957 wurde eine umfangreiche Sanierung des Beunehofes durchgeführt. 1957 wurde nach dem Tode seiner Ehefrau Elisabeth in Erbfolge Alfred Litz der neue Eigentümer des Beunehofes.

Eine in unmittelbarer Nähe des Beunehofes stehende alte Gerichtslinde wurde 1952 gefällt und durch eine junge ersetzt, die bald auch schon dem Verkehr im Wege war und an den ev. Kindergarten in Gönnersdorf versetzt wurde. Noch bis 1898 mußten Brautpaare aus Gönnersdorf oder Hüllenberg durch eine Ehrenpforte hindurch, die zwischen der Linde und dem gegenüberliegenden Haus errichtet worden war. Im Landeshauptarchiv fand sich aus 1929 ein Photo dieser ehemaligen Prangerlinde mit Maßangaben. Die Höhe dieser Linde betrug ca. 30 m; der Umfang 4,80 m; der Kronendurchmesser ca. 15 m.

Gönnersdorf hat sich in letzter Zeit ziemlich ausgebreitet. Mit den Nachbargemeinden ist es durch zahlreiche Neubauten allmählich so verschmolzen, daß kaum noch die einstigen Dorfgrenzen auszumachen sind.

Gönnersdorf Historie aus Archiven & Publikationen Ein mannigfaltiges Nebeneinander von größeren und kleineren Höfen, Häusern und Kotten stellen unsere Dörfer seit ihrer Entstehung dar. Neben dem wohl ehemalig königlichen Besitz, der uns im 13. Jahrhundert in den Händen der Hammersteiner Burggrafen entgengentritt, steht der zunächst kleinere Grundbesitz der Wiedischen Grafen. Nicht ohne zahlreiche Auseinandersetzungen mit anderen Grundherren und Herrschaften, ist das alte Kirchspiel Feldkirchen ein Teil ihrer Grafschaft geworden. Unter den Grundeignern sind auch mehrere Klöster vertreten. Freie Bauern mit mehr oder weniger Eigenbesitz, deren wechselvolle Schicksale wir in unserem Bezirk mangels eingehender Nachrichten nicht verfolgen können, leben in den Dörfern und auf den Einzelhöfen. Zunächst sind sie in die alten fränkischen Hundertschaften zusammengefügt. Viele von ihnen bebauen, wie sonst am Mittelrhein, mehr und mehr nicht nur ihr eigenes, sondern auch abhängiges Land. Dafür haben sie an bestimmten Tagen ihr Arbeitskraft einem Hof oder Herrn zur Verfügung zu stellen und sonstige wirtschaftliche Verpflichtungen.

Gönnersdorf bietet ein Beispiel für die mittelalterliche Art unserer Dörfer. Wie aus dem fränkischen Gräberfeld zu schließen ist, war es schon damals stärker besiedelt. Der dortige Beunehof, dessen Land noch später in die Wollendorfer Flur hineinragt, scheint in seinen Anfängen im Zusammenhang mit den Hammersteiner Besitzungen, die seit dem 12./13. Jahrhundert erwähnt werden, zu stehen. Der Name Beunehof oder "auf den Beunen" weist in die Zeit der Rodungen, der Auszeit des Ackerlandes, das man dem Walde abringt, zurück. Solches Beundeland gehörte zu einem Fronhofe und war im Eigenbetrieb des Fronhofes.

Hören wir nun Einzelnes von dem Schicksal des  H a m m e r s t e i n e r  H o f e s, der uns schon in Nachrichten des 12. Jahrhunderts bis zum Rotulus von 1280 begegnet. Am 3.12.1300 bewittumbt der Burggraf Ludwig von Hammerstein seine Gemahlin Katharina mit Gütern zu Gindersdorp mit allen Rechten, die dazu gehören. An diesen Hammersteiner Hof zu Gönnersdorf hat man zu denken, wenn bei der Ausstattung (Dotierung) des St. Georgs Altar in Feldkirchen am 18.11.1300 bestimmt wird, daß der Dotationswein, eine halbe Karata Wein, bei Gyndersdorp (oder einem anderen guten und sicheren Ort) zu empfangen sei. 1329 erhebt Ludwig von Hammerstein wegen der Erbschaft seiner Gemahlin Isalde, einer geborenen von Isenburg (v. Ha Nr. 330) Klage wider Herrn Wilhelm von Braunsberg. Zu dieser Erbschaft gehören u.a. Rechte zu Noythusin (Nothausen), Nyderin-Byverin und Gindersdorp, letztere im Werte von 5 Mark Zinsen. Am 12.10.1358 gehört zu den Zeugen bei der Übergabe der Feldkirche Gobelinus "hovemann de Gyndersdorf". Dieser Gobelin war ein Hofmeier des Hammersteiner Gutes in Gönnersdorf.

Um diesen Hof kommt es zu einem Streit mit dem Grafen zu Wied (von Ha Nr. 501), in dessen Verlauf es 1370 zweimal zur Aufstellung von Forderungen kommt, welche Burggraf Ludwig gegenüber dem Grafen geltend macht. In der 2. Aufstellung heißt es: "Daß ich gehindert bin, an meinem Hof zu Gönnersdorf, welcher mit seinem Zubehör mein Eigen ist, besonders an der Freiheit des Hofes von wiedischen Lasten und Rechten, wie ich dieses bereits meinen Vorfahren ererbt habe, so daß ich wegen der Übergriffe des Grafen davon keinen Gebrauch machen kann." 1387 verkaufen ein jüngerer Ludwig von Hammerstein und seine Gemahlin Irmgard - wohl wegen der erwähnten Streitigkeiten - ihren Hof in Gönnerdorf mit Wingärten, ackerland, wytgarten, busch, rameweisz, zinsen, pechten, gulden ond renten mit allen gevellen und mit allen sine zubehoren. Später bekommt ihn Hammerstein von Johann von Witzelnbach zurück. Am 3. August 1421 (von Ha 702) gestattet Erzbischof Otto von Trier, daß der zur Burggrafenschaft Hammerstein gehörige Hof zu Gönnersdorf, welchen der verstorbene Burggraf Ludwig an Johann Karrawes (von Witzelnbach) und seine Erben verschrieben und pfandweise gegeben hat, von seinem Getreuen Konrad Cluys, Zollschreiber in Cuenengers für 400 Gulden verliehen wird. Von 1501 an erscheint der Hof selbst bei der Aufnahme und Abschätzung der kurfüstlichen Güter. 1600 ist der kurtrierische Hof etwa 20 Morgen groß (WA VI-4-11). Der Volksmund weiß von den weißen Mönchen, welche Zinsen und Abgaben holten, zu berichten. Weiter ist noch heute im Ort bekannt, daß Mennoniten den Hof gepachtet und bewohnt haben. Sie hielten auf dem Hofe ihre gottesdienstlichen Versammlungen ab, so daß es bis 1663 hier "täuferische Winkelpredigten" gab.
Nur noch spärliche Überreste der einstigen burgänlichen Anlage des Hofes sind erhalten geblieben. Nach Urteilen von Sachverständigen sind die Keller und Gewölbe aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Über einem dieser Keller erhob sich bis 1898 ein Fachwerkhaus, dessen Hauptteil Gemeinde- und Backhaus geworden war. Von dem schönen Schnitzwerk dieses Hauses wird ein Pfosten mit einem Wappen, umgeben von einem Kranz von Eichenblättern, gerühmt. Man sagt, es sei ein Wappen der Pfalzgrafen vom Rhein gewesen und habe in der Mitte u.a. einen Ochsenkopf gezeigt. Der Besitz müßte also eine zeitlang in wiedischen Händen gewesen sein, da die wiedischen Grafen Lehensträger der Pfalz waren!
Der Pfosten, der in ein Museum abgeliefert sein soll, ist unauffindbar.

Während das  K l o s t e r  St. T h o m a s  vom 14. Jahrhundert an ein  L e h e n g u t  auf der Mark besaß, von dem auch später Zinsen bezahlt werden, hat die Malmedyer Propstei zu Andernach, außer Besitz in Leutesdorf, zwei Weingärten in Gönnersdorf. Aus diesem mußten dem Grafen zu Wied jährlich 2 petreoli entrichtet werden. 1400 werden dem Marienaltar in Puderbach 4 Ohm Weingulden vermacht (WA 65-6-5).

Ein  W i e d i s c h e r  H o f  erscheint um 1590, wo er vom Grafen Johann, gleich den Höfen zu Auch, Bieber und Melsbach, zum Pfand gesetzt wird (WA 58-5-3). 1565 liefert dieser 12 Malter Ertrag (WA 57-4-3). Ist dieser Hof mit dem Beunehof identisch? Denn es läßt sich nicht nachweisen, seit wann und wie das Beunegut in herrschaftlichen Besitz gekommen ist. Es war noch im 19. Jahrhundert ein zusammenhängendes Ackergut von 40 Morgen und gehörte größtenteils zu Wollendorf, zum kleineren Teil zu Gönnersdorf. 1618 hat Graf Johann Wilhelm "seinen Hof zu Gönnersdorf der Beunehof genannt" verpachtet (WA 32-12-11). 1635 wurde er von Graf Philipp Ludwig an Johann Stroe verpfändet (WA 32-11-6). Die Erbtochter Johann Walpurgis beansprucht 1656 alle allodialen Erbgüter, darunter Höfe zu Wollendorf und Gönnersdorf, d.h. wohl dieses Beunegut. 1660 werden die Herrengüter "auf den Beunen" von der wiedischen Erbtochter neu verpachtet, ebenso 1669 die Kornzehnten auf den Beunen. 1673 werden die Beunezehnten für 60 Thaler an Schultheiß Kreckel widerruflich verkauft. In dem Aktenheft "Beunegut zu Feldkirchen von 1660 ff" (WA 32-11-6) liegen Briefe von P. Höcker über diesen Beunezehnten, die er als Erbe von Kreckel schreibt, und über die um 1700 strittigen Beune-Pfandschaften und Pastoreirenten. Über ein Schreiben, das er im Namen seiner Frau an den Grafen richtet, setzt er als Motto 3. Mos. 19, 112 und 15: "Du sollst deinem Nächsten nicht unrecht tun noch ihn berauben. Es soll des Tageslöhners Lohn nicht bei dir bleiben bis an den Morgen. Ihr sollt nicht unrecht handeln im Gericht, und sollst nicht vorziehen den Geringen noch den Großen ehren; sondern du sollst deinen Nächsten recht richten." 1719 gibt Graf Friedrich Wilhelm das Beunegut nebst Zubehör dem Johann v. Otten gegen 1000 Thaler zur Benutzung, doch fällt es 1742, 41 Morgen groß, wieder an Wied zurück. Später sind die Ländereien verkauft, das Haus von W. Bamberger in der Hohl wird der ehemalige Hof sein.

Weitere ältere Häuser haben die Jahreszahl 1490, 1567 und 1620. Die frühere L i n d e, die Nachfolgerin der hammersteinischen Gerichtslinde, soll zum Andenken an die Reformation gepflanzt gewesen sein. Der geschichtliche Kern, der in dieser mündlichen Überlieferung steckt, ist dieser: An einem Reformationsgedenktage, etwa 1717, ist sie anstelle einer abgängigen gesetzt worden. Ein Halseisen, von dem Spuren noch vor Jahren zu sehen waren, ist wiederum angebracht worden, so daß sie zugleich eine Prangerlinde war. Hiermit wurde an die alte Hammersteiner Gerichtstradition angeknüpft; doch ist sie allmählich zur bloßen Dorflinde geworden, nachdem sie noch eine zeitlang Stätte eines  D o r f g e m e i n d e g e r i c h t s  war.

H o c h z e i t s b r ä u c h e  haben sich noch länger erhalten. Sie sind ungefähr bis zu der gleichen Zeit lebendig gewesen, als die Verlesung der Bekanntmachungen des Ortsvorstehers, von der Ummauerung der Linde aus, abkam und die Dorfglocke 1898 abgenommen wurde. Zum letzten Male ist 1897 eine Ehrenpforte von der Linde bis zum gegenüberliegenden Hause errichtet. Jedes Brautpaar mußte auf dem Wege zur Feldkirche, ob aus Gönnersdorf oder Hüllenberg, an der Linde vorbeigehen oder -fahren. Die Ehrenpforte hatte in der Mitte ein weißes Schild, das auf der einen Seite die Aufschrift trug "Glück und Segen immerdar wünschen wir dem Brautpaar", auf der anderen Seite "Gott segne Euren Bund". Der Weg war durch eine Eisenkette oder einen Strick mit bunten Bändern gesperrt, bis der Burschenälteste seinen Spruch gesagt hatte. Nachdem ein Trunk Wein dem Brautpaar überreicht war, folgte der zweite Spruch des Vorstehers der Burschenschaft: "So nehmt nun Euren Kirchgang, Gott segne euch Euer Leben lang". Dann wurde die Kette gelöst, die jungen Burschen feurerten Pistolen- und Gewehrschüsse ab. Das Brautpaar trat mit seinen Hochzeitsgästen den Kirchgang an.

Vereinsleben in Gönnersdorf Dieser Ortsteil von Neuwied-Feldkirchen hat ein lebendiges Vereinsleben mit sehr alten historischen Wurzeln.

Einer der ältesten Vereine im Kirchspiel Feldkirchen ist der Burschenverein 1843 Gönnersdorf e.V.

Der Bürgervein Gönnersdorf e.V. wurde 1901 gegründet und feiert im Juni 2011 sein 110-jähriges Bestehen mit einem Backestag.

Der Gesangverein Germania Gönnersdorf 1907 e.V. wurde mehrfach für seine Leistungen ausgezeichnet. Der Verein ist Mitglied des Deutschen Chorverbandes. Bundespräsidenten Horst Köhler verlieh dem Verein am 18. März 2007 in Berlin die "Zelter-Plakette". Eine Auszeichnung für die in langwährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege der Chormusik und des Deutschen Volksliedes.

Der Rheinsteig ist ein erlebnisreicher Wanderweg, dessen Route u.a. direkt durch Neuwied-Feldkirchen (Gönnersdorf) am "Beunehof" vorbei führt. Besucher und Wanderer sollten es nicht versäumen - in unmittelbarer Nähe des Beunehofes - auch die anderen sehenswerten Fachwerkhaus Kulturdenkmäler zu besichtigen. Es sind nur wenige Schritte zu den Haus-Adressen: An der Linde 15 und 28.

Und wer eine kleine aber feine Edelobstbrennerei besichtigen möchte, um vielleicht eine Erinnerung an Gönnersdorf im Rucksack mitzunehmen, der sollte sich die Adresse "An der Linde 31" merken: Die Edelobstbrennerei von Inge Wasl.

Quelle: http://www.neuwied-feldkirchen.net